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Historisches Florianopolis

Bei der Frage, wer die ersten Bewohner von Florianopolis waren, gibt es bisher noch Unstimmigkeiten unter den Forschern. Der Anthropologe Adnir Ramos vom multidisziplinären Institut für Umwelt und Archäoastronomie (IMMA) in Florianopolis sagt, dass die ersten Inselbewohner als "Homem do Sambaqui" bezeichnet werden. Unklar sei bisher, ob zu dieser Zeit auch die Tupi Guaranis in Florianopolis gelebt haben.

Der "Homem do Sambaqui" hat die Insel Florianópolis sowie die Küstengebiete des Festlandes von Santa Catarina vor ca. 5- 6 Tausend Jahren bevölkert. Als Jäger, Sammler und Fischer ernährten sich die früheren Inselbewohner hauptsächlich von Weichtieren (moluscos), wilden Früchten und Fisch. Sie stapelten ihre Essensreste, wie Tierskelette und biologische Abfälle, welche sich im Laufe der Zeit in meterhohe Hügel verwandelten. Diese "Lagerstätten" werden, wie auch das Volk, als Sambaquis bezeichnet. Aus der Sprache der Tupí- Indianer wird das Wort Sambaqui aus tamba´ki abgeleitet und als Muschelberg übersetzt. Aufgrund von Witterungen, fanden im Laufe der Zeit in den Sambaquis chemische Prozesse statt, die kalkhaltiges Material freisetzten und zu Versteinerungen führten. Die Sambaqui- Stätten haben sich zur wichtigsten Informationsquelle der Pré- Indigenen Bevölkerung entwickelt.

Die Sambaquis dienten den früheren Bewohnern auch als Grabstätte. Der Fund menschlicher Überreste und Fossilien gibt Forschern einen Einblick in das Leben des Sambaqui- Volkes, dem "Homem do Sambaqui". Die Sambaqui- Stätten werden an der ganzen Atlantikküste entlang entdeckt, auch im Norden von Europa. Dabei ist nicht bewiesen, ob es sich bei den Fundstätten an der Küste Brasiliens um das gleiche Volk handelt und welche Beziehung zwischen den Völkern zu anderen Ländern bestand. Die meisten Sambaquis wurden an der Küste von Santa Catarina entdeckt. Diese repräsentieren auch die wichtigsten archäologischen Fundstätten. Alleine in den Städten Laguna und Jaguaruna wurden 42 Sambaquis verschiedener Dimensionen gefunden. Die Größe der Sambaqui- Hügel variiert von 1- 18 m Höhe. Forscher fanden heraus, dass das Sambaqui- Volk Objekte aus Holz, Leder und Fasern herstellten. An den Sambaqui- Stätten wurden auch diverse Steinobjekte, wie Pfeilspitzen gefunden.
Die Sambaquis nutzen auch Steine, um ihre Jagdwerkzeuge zu schleifen und um andere traditionelle Bräuche durchzuführen. Einen guten Einblick in die Kultur des "Homem do Sambaqui" bekommt ihr auf unserem Ausflug zu den mystischen Steinen.

Nach dem "Homem do Sambaqui" bevölkerten die Itararé- Indianer die Region.

Anschliessend haben die Tupi Guarani- Indianer Florianópolis und die Küstenregion von Santa Catarina besiedelt. Archäologische Fundstätten liefern Beweise, dass ihrer Anwesenheit in diesem Gebiet bis 1400 n. Chr. zurückverfolgt werden kann. Die indigene Bevölkerung unterteilte sich in verschiedene Stämme und lebte in unterschiedlichen Weilern. Die Tupí Guaranís lebten vom Pflanzenanbau, von der Landwirtschaft sowie der Fischerei. Das indigene Volk wurde von den Europäern zu Beginn der Kolonialzeit auch als Carijó- Indianer bezeichnet.
Die Ausrottung der Tupi Guarani- Stämme begann im 16. Jahrhundert, mit der Ankunft der Portugiesen in Santa Catarina. Diese haben die Tupi Guaranis als Sklaven gehalten und verkauft. Auch Grippeviren und Tuberkulose, die gemeinsam mit den Portugiesen in Brasilien verbreitet wurden, führten dazu, dass ein Großteil der einheimischen Bevölkerung im Zuge der europäischen Kolonialisierung ausstarb. In der Nähe von Florianopolis lebt eine kleine indigene Gemeinde der Tupí Guaraní- Indianer. Bei diesem Ausflug habt ihr die Möglichkeit, mehr über die Kultur und das jahrtausendalte Wissen der Tupí Guaranís zu erfahren.

Im 16. Jahrhundert wurden die ersten Siedlungen der Portugiesen in Santa Catarina errichtet. Jedoch wurde die Küste von Santa Catarina de facto erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts besiedelt. Der Süden Brasiliens war zu jener Zeit Gegenstand von Auseinandersetzungen zwischen der Portugiesischen und Spanischen Krone. Portugal schickte Bewohner der Azoren und Madeirainseln , auf denen ein Bevölkerungsüberschuss herrschte, nach Santa Catarina, um das eroberte Gebiet abzusichern. Zwischen 1748 und 1756 ließen sich ca. 6.000 Azorianer an der ganzen Küste von Santa Catarina nieder. Sie errichteten ein Kleinbauernsystem zum Selbsterhalt und lebten vom Fischfang. Die Azorianer vererbten ihren Nachkommen einen großen, kulturellen Schatz, der sich in einem eigenen Dialekt , einer stark ausgeprägten, allegorischen Folklore, kulinarisch in diversen Fisch- und Meeresfrüchtegerichten und in der Architektur ausdrückt. Nicht nur in Florianopolis, sondern entlang der ganzen Küste von Santa Catarina finden sich Zeichen der azorianischen Kultur. Die Kolonisierung durch die Azorianer, spiegelt sich in Florianopolis vor allem in der Architektur wider.

Eines der ältesten Azoren-Dörfer ist das 1750 gegründete Santo Antônio de Lisboa in Florianópolis. Dieser Ort hat interessante Sehenswürdigkeiten zu bieten, wie die 1756 gebaute Kirche "Nossa Senhora das Necessidades" , ein Azorenhaus, in dem Handarbeiten und Töpferwaren zu finden sind und schließlich der "Caminho dos Açores" - der "Wanderweg der Azoren", der an einer Getreidemühle aus dem Jahre 1860 vorbeiführt. Viele traditionelle Folkstanzgruppen können in Santo Antônio de Lisboa bewundert werden, zum Beispiel die Pau de Fita, Boi de Mamão und die Ratoeira. Diese wurden von Gemeindemitgliedern gegründet und führen die Bräuche und Traditionen der Azoren mit großer Freude bei religiösen Festen fort.

Ein weiterer Kern der Azoren in Florianópolis, ist der Ort Ribeirão da Ilha, dessen Gründung auf 1760 zurückdatiert wird. Die gut erhaltenen, farbenfrohen Häuser und Kopfsteinpflastergassen in Ribeirao da Ilha sind charakteristisch für das schöne Fischerdorf. Hier befindet sich auch die Kirche "Nossa Senhora da Lapa do Ribeirão", deren Erbauung bis 1806 zurückgeht und das Umwelt-Museum, wo sowohl Gegenstände der Einsiedler, als auch eine Getreidemühle zu bestaunen sind. Die bunten Gassen dieser beiden Azoren- Zentren laden mit vielen Kunsthandwerksläden zum Bummeln ein. Anschließend kann in den am Meer gelegenen, traditionellen Fischrestaurants bei regional typischen Gerichten der einzigartige Sonnenuntergang genossen werden.

Im 19. Jahrhundert wurde die Ankunft von Deutschen und Italienern in Santa Catarina vermerkt. Die deutschen Einwanderer gründeten 1828 São Pedro de Alcântara. 1850 fand eine zweite Einwanderungswelle aus Deutschland statt und die Deutschen besiedelten das Itajaí Tal. Darüber hinaus gründeten sie Blumenau und weitere Siedlungen im Umkreis. Die deutschen Einwanderer erreichten mit der Gründung kleiner landwirtschaftlichen Betriebe und Unternehmen Ansehen und Wohlstand. Viele der Unternehmen verwandelten sich im Laufe der Zeit in große Industriebetriebe, die auch heute noch von großer Wichtigkeit für die Wirtschaft von Santa Catarina sind.
Die Italiener wanderten etwas später nach Santa Catarina ein. Sie besiedelten ab 1875 hauptsächlich den Süden von Santa Catarina und ließen sich in Küstennähe sowie in der Nachbarschaft zu den deutschen Siedlungen hin nieder.

Die italienischen Einwanderer stellen zahlenmäßig die größte Einwanderergruppe in Santa Catarina dar. Sie brachten ihre Kenntnisse in der Käse- und Wurstproduktion und in dem Getreide- und Weinanbau mit nach Brasilien. Wichtige italienische Gründungen stellen die Städte Criciúma, Urussanga und Nova Veneza dar. Hier werden italienische Traditionen bewahrt und Weinanbau sowie Weinkelterei betrieben.

Das kunterbunte Mosaik, das die Bevölkerung von Santa Catarina repräsentiert, wird von weiteren Einwanderergruppen vervollständigt. Diese sind numerisch kleiner, haben jedoch dem Staat ein vielseitiges, kulturelles Erbe hinterlassen. Unter ihnen: Afrikaner, Österreicher, Norweger, Ungaren, Letter, Japaner, Syrer, Libanesen, Polen, Russen, Ukrainer. Auch die bekannten Gaúchos, die Rindertreiber aus Rio Grande do Sul, durchquerten mit ihren Herden die Bergregionen von Santa Catarina.
Heutzutage zieht Florianópolis und Santa Catarina sowohl Brasilianer aus allen Regionen des Landes, als auch Ausländer aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt an.